Der Winter meldet sich aus den Frühlingsferien zurück. Der Wetterbetrübnis zum Trotz wagten wir uns bei Dauerregen auf eine Ausreise. Nach Frauenfeld. Die Mühe hätten wir uns ersparen können. Auch dort regnete es dauer. Fotoapparat blieb eingepackt. Frau L. wars nicht um Museumsbesuche. Also fuhren wir nach dem Mittagessen in Richtung des geliebten Bodensees. In Landschlacht gedachte ich, den Winter in eine weitere Abnützungsschlacht zu verwickeln. Aber der Gegner wich blitzschnell über den Bodensee zurück: der kalte Regen hörte auf. Landschlacht ist ein kleines Dorf bei Münsterlingen. Darin befindet sich ein kleines Kapellchen, das im 10. Jahrhundert erbaut wurde.
Der karge Bau auf freier Wiese ist unverputzt. Rundum wird die Kapelle von Mehrfamilienhäusern bedrängt. Die dem heiligen Leonhard (Schutzpatron der Gefangenen, Kettenheiliger, Nothelfer, Patron und Fürsprecher für das liebe Vieh unter besonderer Berücksichtigung der Pferde) geweihte Kapelle ist weltbekannt durch ihre gotischen Wandmalereien, die aus verschiedenen Epochen stammen. In der Osthälfte des Raums wird das Leben des hl. Leonhard geschildert (1432, datiert); die Westwand zeigt Szenen aus der Passionsgeschichte Christi (Ende 15. Jh.), die Südwand weitere sieben Passionsfelder (1300/1330).
Die schöne Holzdecke stammt aus dem Jahr 1644. Leider haben nachträglich ausgebrochene Fenster einen Teil der Fresken zerstört.
Die westliche Kapellenhälfte mit dem Eingang ist romanisch und aus groben Feldsteinen errichtet. Die östliche Kapellenhälfte ist gotisch und wurde Ende des 14. Jahrhunderts angebaut. Die Kapelle ist mit gotischen Masswerkfenstern ausgestattet.
Wers eilig hat, kann über eine Himmelsleiter den direkten Weg in den Himmel wählen. Wir blieben lieber der Erde verbunden und setzten unsere Heimreise nach einem Kaffee in der Psychiatrie Münsterlingen fort.