Auf der Heimfahrt von einem Ausflug in die Ostschweiz haben wir in Münsterlingen, am Südufer des Bodensees, Nähe Konstanz, eine Kaffeepause eingelegt. In der Cafeteria der Kantonalen Heil- und Pflegeanstalt (Psychiatrie), die mit einem wunderschönen Ausblick auf den Bodensee, Automatenkaffee, Gebäck, Parkplätzen und Toiletten aufwarten kann.
Erwähnenswert, wenn man von Schul-, Gemeindehaus und Hallenbad absieht: die Klosterkirche des ehemaligen Benediktinerinnenkonvents St. Remigius. Typische Vorarlberger Barockarchitektur, 1711 neu erbaut. Die Gründung dieses Klosters (Monasteriolum) soll Ende des ersten Jahrtausends erfolgt sein. Der Legende nach von einer Tochter des englischen Königs Eduard I gestiftet. Geschichtlich belegt ist nur die Verlegung des Konstanzer Kranken- und Armenhospizes St. Konrad nach Münsterlingen um die Eintausendjahrwende. Die Ordensschwestern arbeiteten hier nach den Regeln der Augustiner in der Krankenpflege. Nach der Reformation wurde das Kloster von Benediktinerinnen übernommen. Seit 1848 wird die Anlage durch das Kantonsspital und die Psychiatrie belegt.
Die Kirche hütet eine kleine Büste des Heiligen Johannes, künstlerisch unbedeutend, aber Anlass, deren Geschichte nachzuerzählen.
Seit 1573 wurde, immer wenn der See zugefroren und begehbar war, der Kopf des Johannes in einer feierlichen Prozession übers Eis in die Nachbargemeinde am andern Seeufer getragen, wo er bis zur nächsten Seegfröni verbleiben durfte. Als Seegfrörni bezeichnet man in der Schweiz das Zugefrieren oder Zugefrorensein eines Sees. Bei der nächsten Seegfrörni wurde er wieder über den See zurückgetragen. Seit 1963 steht die Büste in der Pfarrkirche von Münsterlingen und nicht mehr in Hagnau (D) am Nordufer. Die Klimaerwärmung könnte dafür sorgen, dass er noch einige Zeit hier verbleiben darf.
Johannesköpfe, meist auf Tellern waren ab dem Spätmittelalter beliebte Heilsbringer in Kirchen. Berühren mit der Hand soll Kopfleiden geheilt haben. Mit dem originalen Kopf des Johannes befasst sich hingegen die Oper Salome von Richard Strauss. Die Tochter des Herodes verlangt von ihrem Vater als Preis für einen freizügigen Schleiertanz das Haupt des Propheten. Den abgeschlagenen Kopf in Händen, steigert sie sich in einen ekstatischen Liebes- und Lusttaumel, küsst den Mund des Leichenkopfes, bis sie auf Geheiss ihres entsetzten Vaters umgebracht wird. Nadja Michael als Salome.
Eigentlich wollten wir nur schnell einen Kaffee trinken.