
Mit hochgeschlagenem Mantelkragen und aufgesetzter Sonnenbrille habe ich mir bei einbrechender Dämmerung eine Packung moschusduftenden Büffelmozzarella gekauft. Ihn mir diskret unter der Ladentheke in die geöffnete Einkaufstasche schieben lassen. Atemlos zuhause angekommen, verheisst schon das Öffnen der verschliessenden Cellophanfolie knisternde Spannung. Endlich offen bzw. aufgerissen entfaltet sich ein erotischer Anblick, der sich nur dem reinen Kunstfreund erschliesst: der von keiner Hand verstellte Blick auf die Venus von Mozzarella, wenn auch nur auf den oberen Teil. Wer mag da noch kochen ? Nur die rauhe Wirklichkeit des aktuellen Kochtopf-events kann mich von weiteren Kunstbetrachtungen losreissen. Für mein Rezept brauchts Büffelmozzarella, Mozzarella di bufala oder wie ich ihn lieber nenne: fior d’amore. Nicht etwa den banalen, kuheutrigen fior di latte, den Kuhmozzarella.

Zutaten
ca. 250 g Mozzarella di Bufala, siehe Anmerkungen
2 Zucchetti mittelgross
1 junge Knoblauchzehe
2 rote oder gelbe Peperoni
2 Peperoncini auch rot
natives Olivenöl
Beurre ramolli (weiche Butter)
Salz, Pfeffer
| Mise en place | Zucchinibänder schamlos angegrillt |
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Zubereitung
(1) Peperoncini der Länge nach halbieren, entkernen und in feinste Brunoise schneiden. Knoblauch in feinste Würfelchen schneiden.
(2) Zucchetti mit einem Gemüsehobel längs in ca. 3 mm dicke Streifen schneiden. Die Streifen in einer heissen Grillpfanne ohne Öl beidseitig anbraten bis ein Grillmuster entsteht. Die Streifen noch heiss mit wenig Olivenöl sanft einpinseln, pfeffern und salzen. Behutsam auf die Seite legen.
(3) Zwei eherne Ringe (8cm) innen mit beurre ramolli einstreichen. Den innern Rand mit 3-4 kräftigen Zucchettistreifen auslegen und jeden Ring auf eine gebutterte kleine Gratinform legen. Den fior d’amore (Büffelmozzarella) in flache Stücke schneiden und mit den Zucchettistreifen, Knoblauch und Peperoncinowürfelchen schneckenartig aufrollen und den Ring damit satt auslegen. Grob pfeffern. Mit den übriggebliebenen Mozzarellastücken bedecken und mit Peperoncinowürfelchen bestreuen. Schon halbfertig sehen sie doch aus wie Venusblumen:

(4) Peperoni den Einbuchtungen entlang aufschneiden, entkernen und mit einem Sparschäler von allen Hüllen befreien. In Streifen schneiden. Dann in Olivenöl andünsten, salzen, pfeffern und mit einem Tlf. Honig süssen. Bei mittlerer Hitze dünsten bis sie gar sind und die Flüssigkeit eingekocht ist, etwa 10 Minuten.
(5) Parallel dazu die Venusblumen liebevoll in die Gluthitze eines von oben und unten auf 200°C vorgewärmten Ofens stellen und unter dem Grill etwa 10-15 Minuten schmelzen lassen. Ein voyeuristischer Blick durch das Guckfenster, auf dass sich das makellose Weiss des Büffelmozzarella nicht schamrot verfärbe. Auf dem Höhepunkt der Verschmelzung die Ofentüre öffnen, die Venusblumen herausziehen, den Ring abziehen, mit dem Beigemüse verzieren und dann genüsslich mit dem Vernaschen beginnen. Leider sind die Hügel durchs Schmelzen flach geworden und der letzte Bissen erkaltet und mozzarellaschlaff, ganz wie im richtigen Leben.
| Venusblume, halb gefüllt | Venusblume, frisch erblüht auf dem Teller |
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Anmerkung
Büffelmozzarella einzukaufen ist gar nicht so einfach. Die einen sind durch wilde Abfallverbrennungen Dioxinverseucht, andere von venerischer Brucellose befallen oder von der Mafia kontrolliert siehe hier. Der neue Blog Fressen und Trinken empfiehlt uns ausschliesslich tagesfrischen im Latium oder der Campagna zu kaufen und erklärt alles andere als Schwachsinn. Ich empfehle in der Schweiz wohnenden den Schweizer Büffelmozzarella, von diesen Tieren, den würde zwar kein Neapolitaner essen wollen. Dafür ist er Brucellose-, Dioxin- und Mafiafrei. Nur die hübschen Zipfelchen gibts halt leider nur bei der Importware. Ich alter Narr.
