Erstbesteigung des Montebianco, 150 mm ü.M.

Original: http://lamiacucina.blog/2008/01/30/erstbesteigung-des-montebianco-150-mm-um/
Datum: 2008-01-30T04:00:06+02:00
Geändert: 2020-02-19T10:34:45+02:00
Kategorien: Diverse-Desserts
Schlagworte: Marroni, Vermicelle


Montebianco: nicht der höchste, aber unbestritten der köstlichste Berg im italienisch-französisch-schweizerischen Alpengebiet. Bestehend aus spaghettiförmig gepresstem Marronipüree, verfeinert mit Kirsch. In der Schweiz unter dem Namen Vermicelles in jeder, wirklich jeder Konditorei, jedem Café zu haben. Und ich war noch nie auf diesem Berg. Auf Eingebung von Barbara habe ich mir die Bergschuhe angezogen, den Schneepickel unter den Arm geklemmt und bin losmarschiert. zur Wegbeschreibung

Vermicellespüree stellt in der Schweiz kaum mehr eine Konditorei selbst her. Entsprechend haben die Vermicelles in der ganzen Schweiz denselben langweiligen Einheitsgeschmack. Zum selbermachen kann man sich fertige Blöcke kaufen, Zucker inbegriffen. Rein in die käufliche Vermicelles-Presse und fertig. Nicht verwunderlich: auch zuhause der normierte Einheitsgeschmack.

Vermicelles bestehen nicht immer nur aus Kastanien, zuweilen sollen sich auch unappetitliche Keime darin tummeln. Ein Grund mehr, alles selber zu machen. Die Kastanien habe ich mir beim Marronibrater meines Vertrauens geholt: er briet mir eine ganz frische extra-Portion, nicht so stark wie üblich geröstet, ohne schwarzverbrannte Stellen, aber gut schälbar. Mein Rezept hab ich mir selbst zusammengeschustert: das Grundrezept halbwegs nach der Bäckereifachschule Richemont, ohne Milch, drum besser haltbar. Zusätzlich angereichert mit Lorbeer und Schokolade, einer Idee aus dem italienischen Blog meaculpa. Von dort habe ich auch die Namensgebung Monte Bianco geklaut.

Proviant
500g Kastanien mit Schale, frisch geröstet, geschält 400 g
2 dl Zuckersirup (2/3 Zucker, 1/3 Wasser)
10 g Vanillezucker selbst gemacht
50 ml Kirschwasser
40 g Butter weich
40 g dunkle Schokolade 75% Kakaoanteil
1 Msp. Salz
3 Lorbeerblätter

Schlagrahm

Ausgangsmaterial, gebraten, geschält Vermicelles-Masse am cuttern
Ausgangsmaterial Marroni,asse am cuttern

Routenbeschreibung
(1) Die kurz gerösteten Marroni schälen und im Dampfsieb über Wasser mit 3 zerknüllten Lorbeerblättern weichgaren (etwa 10 Minuten). Alternativ kann man rohe Kastanien im Dampfkochtopf weichgaren ohne sie zu rösten, dann macht das Schälen gemäss Frau Dr. Marroni etwas mehr Mühe.
(2) Die Marroni etwas abkühlen lassen, dann in einem Cutter mit dem Zuckersirup, dem Vanillezucker, der weichen Butter, dem Kirsch und Salz feincuttern bis eine weiche, homogene Paste entstanden ist. Zum Schluss die geschmolzene Schokolade einrühren.
(3) Die Masse mit einer Lochpresse (Vermicelles-Presse) zu einem Berg türmen oder in Haselnuss-Mürbteig-Tortenbödeli füllen und mit geschlagenem Rahm toppen.

Vermicelles-Presse Montebianco bezwungen
Marronipresse Montebianco bezwungen

Wegmarken
Zuoberst hab ich noch eine kandierte Marroni in Cognac hingelegt, das hat den Berg um weitere 24 mm höher gemacht. Die Vermicelles-masse kann tiefgekühlt werden. Das war alles so einfach zu machen und der Schwatz beim Marronibrater so nett, dass ich meine Vermicelles künftig nur noch selbermachen werde. Die Mengen an benötigtem Zuckersirup hängen vom Reifegrad und der Marronisorte ab. Mein Purée hätte noch etwas mehr Sirup vertragen und damit weicher sein dürfen. Gekühlt war die Masse etwas zäh.

Wer die alternative Wanderroute wählt, kann über reichlich Geröll auf den vorgelagerten Nebengipfel des Montebianco steigen. Hier oben wird gefeiert. Mit Vermicelles und herrlicher Fernsicht ! Und wenn ich mich etwas auf die Zehen stelle, was in den Bergschuhen gar nicht so einfach ist, sehe ich knapp auf einen Hügelzug mit Spielwiese. Viel Grün, kein Schnee. Weiter westlich ein Blick auf den Monte Kapriolo mit der unverwechselbaren, muffchenförmigen Kuppe. Nach Westen ausblickend reicht die Sicht eben bis zum Eiffelturm, ganz in dessen Nähe soll man ja ganz hervorragend essen ! Weiter nördlich einfach hübsche Dörfer entlang der Düssel. Richtung Osten versperrt leider der Säntis die Sicht. Die Lage der Wanderhütte für Gourmets und der noch weiter östlich gelegenen Stätten für esskultur zu  low cost-Preisen kann deshalb nur vermutet werden. Die Zeit reichte nicht aus, um alles zu sehen. Der Abstieg über das Geröllfeld drängte. Nix wie runter bevors Nacht wird.

Alternativroute
Alternativroute über viel Geröll.

AddThis Social Bookmark Button