A-1000 Wien: Schnitzel, Steirereck, Himmelsnah und Donizetti

Original: http://lamiacucina.blog/2023/09/16/a-1000-wien-schnitzel-steirereck-himmelsnah-und-donizetti/
Datum: 2023-09-16T05:45:00+02:00
Geändert: 2023-09-15T19:51:33+02:00
Kategorien: Besuch in..
Schlagworte: Wien

Die kurze Gruppenreise nach Wien führte uns zu den Themen Geologie, Botanik, Biodiversität und Gegenwarts-Literatur. Nebenberuflich organisiert durch eine kleine Gruppe von Profi-Botanikern Botanik-Reisen. Wir hängten noch 2 Tage vornedran und erweiterten den Themenstrauss um Kulinarik und Operistik, sprich einem Besuch in der Staatsoper.

Jenen, die meine Reiseberichte nicht interessieren, sei der eben publizierte Juli-Vegi-event von 6plus6 empfohlen: lucasrosenblatt.net

Zum Einstimmen erst ein langer Brauner in einem traditionellen Kaffeehaus:

Hungrig und mit schwerem Herzen vorbei an der Heimat des Schnitzels zum Steirereck.

Das Steirereck liegt an keiner Ecke, sondern mitten im grünen Stadtpark. Alles modern und sehr chic eingerichtet. Freundliche und kompetente Bedienung. Umwerfend die Brotauswahl, mein Favorit, das Krustenbrot, von dem allein wir uns zu Mittag hätten ernähren können.

Insgesamt sechs elaborierte, hochkomplexe Gerichte. Durch die bei jedem Gang existierende “oder”-Option konnten wir uns fleischlos durch das ganze Menu bewegen. Hier nur ein Beispiel mit dem Titel:

Allium: Lauchgewächse mit Marille, Steinpilz & Heu.

Eine auf Salz gebackene, mit Marille und Distelöl marinierte, weisse Zwiebel. Darauf Steinpilz-Marillen-Lauch-Gemüse mit eingelegten Gurken und Schönbrunner Zitrone. Die 3 Zwiebelschalen liegen auf Scheiben von gedämpftem Serviettenknödel, dazu eine weisse Zwiebelcreme und als Saucenspiegel eine Beurre Blanc aus fermentierten Heu-Kräutern. Das soll mal einer Nachkochen!

Die Komplexität der Gerichte spiegelt sich in jedem Gang wieder. Ein toller Einstand. Der letzte Gang in den washroom im Untergeschoss setzt voraus, mit der Weinbegleitung Mass gehalten zu haben:

Abends Besuch in der Staatsoper, Donizettis Don Pasquale in einer burlesken Inszenierung: ein richtig lustiger Anlass. Vorzüglich die kleinen Pausen-Canapées des k.u.k Hofzuckerbäckers Gerstner, die wir ohne Anstehen an einem reservierten Tischchen sitzend geniessen durften.

Anderntags Besichtigungstour in der Innenstadt: Marsmenschen allüberall. Sie stehen am Tatort der Geschichte. Blind für die Stadt und ihre Bauwerke. Und schauen sich Geschichte in Form animierten 3D-Filmchen durch ihre elektronischen Brillen an. Virtual Reality? Fake Reality! Hätten sie sich auch zuhause auf dem Kanapee angucken können.

Das nicht durch virtuelle Sehhilfen verstellte Auge bietet doch jede Menge an Schönheiten, wie hier die weiblichen Karyatiden, die auf ihren Häuptern schwere Architrave tragen oder…

… junge Männer, die jedoch nur leichte Wasserschalen zu tragen haben, wie hier beim Parlamentsgebäude.

Mit der Strassenbahn fuhren wir um den Ring: Sightseeing by Strassenbahn u.a. die von Grün überwucherten Hundertwasserhäuser.

oder wurden an der Hand einer freundlichen Frau mit grünem Herz bei Fussgängerstreifen hilfreich über die Strasse geführt.

Nach einem heissen Stadttag winkte uns zum Abendessen an der Himmelpfortgasse im TIAN (chinesisch für “Himmel”) reine, vegetarische Küche, von Paul Ivićs gekonnt inszeniert:

Nach dem hübschen Amuse in Form einer gestickten bzw. gebackenen Sonnenblume:

Acht (mit den separat servierten Versionen zehn Gänge. Hier als Beispiel: verschiedenartig fermentierte Gurkenkugeln (u.a. Dill, Limonenzeste) auf einem Ring von aromatisiertem Kefir und einem Spiegel von Gurkenessenz serviert: Klasse.

Lag es da nicht nahe, diese zwei farbenfrohen Tage mit einem Schlummertrunk ausklingen zu lassen?

Teil 2 folgt später: A-1000 Wien: Donau, Ziesel, Zilk, Ernst&Friederike