Aspromonte (4): Bova

Original: http://lamiacucina.blog/2022/05/14/aspromonte-4-bova/
Datum: 2022-05-14T05:45:00+02:00
Geändert: 2022-05-15T09:31:33+02:00
Kategorien: Besuch in..
Schlagworte: Aspromonte

Am Südhang des Aspromonte befindet sich auf rund 800 Meter ü.M. die Kleinstadt Bova. Knapp 500 Einwohner. Hauptstadt des Griechischen Kalabriens, grekanisch Chòra tu Vùa.

Der Legende nach wurde Bova von einer armenischen Königin gegründet, die, nachdem sie an der Küste gelandet war, ins Landesinnere stieg und ihre Residenz auf dem Hügel von Bova errichtete. Ihr Fussabdruck wird noch heute gezeigt. Wenn der Fuß eines Mädchens mit dem Fußabdruck der griechischen Königin perfekt übereinstimme, würde sich der Felsen öffnen und einen Schatz freigeben. Die zugehörigen, weiteren Anforderungen an das Mädchen seien nur am Rande erwähnt: Fußanprobe um Mitternacht bei Vollmond, Jungfrau und nackt, Ich habs dennoch probiert, nichts passte, aber was brauche ich einen Schatz, meiner begleitete mich ja.

Die Besiedlung von Bova ist sehr alt, wie zahlreiche Funde von Obsidianwaffen aus der Jungsteinzeit in der Region belegen. Im 8. bis 6. Jhdt. v. Chr. entstanden im Rahmen der großen Wanderungsbewegung von Griechenland nach Westen zahlreiche griechische Kolonien an der ionischen Küste Kalabriens. Mit dem Sieg Roms über die Karthager wurden die kalabrischen Ländereien von den Römern unterworfen, trotzdem waren die Ortschaften in der Nähe des Meers häufig barbarischen Invasionen ausgesetzt.

Seit dem neunten Jahrhundert wurde Bova häufig von den (nordafrikanischen) Sarazenen, aus dem von ihnen besetzten Sizilien her kommend, belagert und geplündert. Die Einwohner massakriert oder als Sklaven nach Nordafrika verschifft. Das 16. Jahrhundert brachte ein erneutes Aufflackern der Seeräuber, diesmal Türken, was weitere Festungsbauten erforderte. Im nächsten Bild die Reste der Normannenburg.

Die Feudalzeit (ab dem 10. Jahrhundert) begann mit der normannischen Herrschaft. Auf dem Felsen, der das Städtchen überragt, befinden sich die Reste einer normannischen Festung, die das Ionische Meer dominiert. Auf die laizistisch-normannische Periode folgte der kirchlich dominierte, schwäbische Feudalismus der Staufer, und Bova wurde dem Erzbischof von Reggio belehnt, der das Lehen bis 1806, dem Jahr, in dem die Feudalherrschaft aufgehoben wurde, innehatte.

Schriftliche Zeugnisse bestätigen die Einflüsse der byzantinischen, arabischen und normannischen Kultur.

Ein Erdbeben im Jahre 1783 verursachte in Bova erhebliche Schäden. 1943 wurde Bova von Angloamerikanischen Flugzeugen bombardiert und schwer beschädigt. Dank grosszügigen Investitionen der EU ist das noch vor 25 Jahren vom Aussterben bedrohte Städtchen heute zu einem Kleinod geworden. Kirchen und Stadtpaläste wurden restauriert, Gassen und Plätze sorgfältig gepflastert und nachts LED-ausgeleuchtet, Museen eingerichtet. Hier eines der schönen Häuser, der Palazzo Toscano. Auffallend die landestypische Verwendung alter Bruchziegel im Bruchsteinmauerwerk.

Eher skurril mutet im Schienenlosen Bergdorf die Dampflok der Ferrovie Italiane an. Ein ehemaliger Bürgermeister wollte damit an die vielen Gastarbeiter erinnern, die mit der Eisenbahn Arbeit im Norden suchen mussten.

Auf dem Weg in das Ristorante Grecanico der Cooperativa San Leo war die Sonne am Untergehen. Kitsch as Kitsch can. Ein Blick über Berge und die Straße von Messina hinweg zum Aetna in Sizilien. Im Mittelteil die fünf Zacken von Pentadattilo.

Eines der Menus in Bova, Primo: ciceri e tagghiarini (R). Ceci e tagliatelle fatte a mano.

Secondo: Teller mit polpette di ricotta (R), Peperoni e Patate, fagioli e funghi, erbette selvatiche und als Brötchen Lestopitte (R). (R=Rezept folgt)

Bova by night. Hier die Piazza Roma mit dem Palazzo Nesci Sant’Agata aus dem 18. Jhdt., links. Die schöne Eingangspforte fand auf dem Bild leider keinen Platz mehr.

Heimwegsuche ins Bett. Wie hiess unsere Strasse gleich wieder? Nachts gar nicht so einfach.