F-13000 Marseille (1)

Original: http://lamiacucina.blog/2021/10/23/f-13000-marseille-1/
Datum: 2021-10-23T05:40:00+02:00
Geändert: 2021-11-06T08:51:40+01:00
Kategorien: Besuch in..
Schlagworte: Keine

Endlich am Meer. Ein alter Wunsch hat sich erfüllt. Nicht in langsamer Annäherung via Doubs und Saône zur Rhonemündung südlich von Arles, sondern mit dem TGV direkt in die -nach Paris- zweitgrösste Stadt Frankreichs: Marseille. Eine kleine Gruppenreise mit literarischen Spaziergängen, kulturellen Leckerbissen, extravaganten Naturkulissen, tragischen Geschichten, botanischen Merkwürdigkeiten und gutem Essen. Da unser Regional-Bähnli den Umsteigebahnhof 5 Minuten zu spät erreichte, fuhr die Gruppe in Genf ohne uns weg. Und wir beide hinterher. 1 Stunde später trafen auch wir in der Stadt ein.

Marseille, eine für mich unbekannte Stadt. Eine Stadt, die nicht einfach zu verstehen ist. Eine Stadt, auf Hügeln gebaut. Eine Stadt, die man fühlen, riechen, erwandern muss. Einfallstor aus Afrika und dem Orient. Eine Stadt der Gegensätze. Bewohnt von einem Vielvölkergemisch. Offen, tolerant.

Entlang der felsigen Küste waren in der Antike geschützte Landeplätze rar, so steuerten griechische Seefahrer bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. den natürlichen Hafen des heutigen Marseille an, wo die Galeeren vor Wind und Wellen geschützt waren. Die Griechen pflegten Handel mit den ansässigen ligurischen und keltischen Stämmen. Nach einer Landschenkung gründeten die Griechen eine dauerhaft bewohnte Siedlung mit dem Namen Massalia, dem heutigen Marseille. Bald eine der reichsten und größten griechischen Kolonien (Apoikien) im westlichen Mittelmeer.

125 v. Chr. rief Massalia die Truppen des Römischen Reiches um Hilfe gegen die Angriffe gallischer Stämme und wurde ein halbes Jahrhundert später in das römische Imperium integriert.

Anfangs des 13. Jahrhunderts wurde Marseille zur selbständigen Republik und 1481 mit Frankreich vereinigt.

Als erstes besuchten wir die Altstadt über dem alten Hafen: das Panierviertel. Unterbrochen von Lesungen aus Büchern ausgewählter Autoren mit Bezug zur Stadt. Enge, verwinkelte Gassen, aufwärts, hinunter, treppauf, treppab. Hier liessen sich in den letzten Jahrhunderten die Einwanderer aus dem Mittelmeerraum und Afrika nieder. “Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt es als Schande, im Panierviertel zu wohnen”. Zitat: Jean-Claude Izzo, Total Cheops. Während des zweiten Weltkrieges sprengte die deutsche Wehrmacht die vordersten, dem Hafen zugewandten Häuserreihen um das Viertel besser kontrollieren zu können. Die folgenden Bilder zeigen (meine) Impressionen aus dem heutigen Panier.

Montée des Accoules/ Notre Dame des Accoules
Montée des Accoules

“Diese Stadt ist eine offene Tür, offen zur Welt, offen zum Nachbarn. Ein Tor, das sich nie schliessen wird. Marseille ist Vielfalt. Viele Kulturen. viele Völker, tausend Geschichten. Woher man auch kommt – in Marseille ist man zu Hause.” Zitat: Jean-Claude Izzo. Mein Marseille

Rue des Moulins, eine hübsche Sozia
Rue des Mouettes, Fensteridylle
Bad hair day

Die vielle Charité ist ein ehemaliges Krankenhospiz. Die barocke Kapelle stammt aus dem Jahr 1704/1863. Das umschliessend Hospiz wurde zwischen 1671 und 1749 erbaut. Heute wird es für kulturelle Zwecke genutzt.

Auf den vielen Plätzen des Panier-viertels scheint die Hektik der Zeit ignoriert zu werden.

Rue Sainte-Françoise

Wie in vielen andern Städten, erinnert sei an den Prenzlauer Berg in Berlin, ist auch in diesem alten Quartier eine zunehmende Gentrifizierung festzustellen. Schöner, edler, teurer. Die ursprünglich hier wohnende Bevölkerung wird dabei an die Peripherie der Stadt verdrängt.

Rue Robert

Gegen Abend noch ein Spaziergang durch die Rue d’Aubagne, wo der Orient zuhause ist.

Rue d’Aubagne, Suq

Fortsetzung folgt.