War da was?
Neuer Tag. Neues Jahr. Leben ist ein Gang auf dünnem Eis. An einer Stelle ist es eingebrochen. Nichts ist mehr, wie es war. Still, leer und öde ist es um mich her. Als ob ich in meinem letzten Eintrag “Nacht” das Unglück geahnt hätte: noch am selben Abend, 3 Tage vor Weihnachten, erlitt Frau L. einen Schlaganfall. Ihr Geist ist kollabiert, geschrumpft auf Chaos und Dementia. Der Sprache weitgehend verlustig, haben Dunkelheit und Wahnvorstellungen von ihr Besitz ergriffen. Coronabedingte Besuchsverbote lassen keinen Kontakt mehr zu. Verständigung am Telefon ist kaum mehr möglich. Schlimme Zeiten.
Ruhe und Gelassenheit haben mich verlassen. Weinen, ohne danach befreit zu sein. Lacrimose Zeiten.
Über und nach Weihnachten erreichten mich mehrere freundliche, einfühlsame E-mails und Telefonanrufe von Leser*Innen, die mir wieder Halt und Zuversicht geben. Danke für den freundschaftlichen Händedruck via Internet. Hoffen auf bessere Zeiten.
Ich werde wieder Aufstehen. Frau L. wieder nach Hause nehmen. Mich demütig der neuen Situation stellen. Mir Hilfe holen, wenn die eigenen Kräfte versagen; ich weiss, was mir die neue Situation abfordern wird. Geduldig durchhalten. Pause im Blog. Kein Winterschlaf. Und ein wenig weiterträumen. Bis sich die Träume dem neuen Leben angepasst haben. Oder umgekehrt.
Graffito am Fussgängersteg der Autobahnbrücke über den Rhein von Eduard Kasper