Doubs der Unschlüssige (17) La Combe de Biaufond. Mutter aller Schluchten

Original: http://lamiacucina.blog/2018/07/22/doubs-der-unschluessige-17-la-combe-de-biaufond-mutter-aller-schluchten/
Datum: 2018-07-22T05:54:17+02:00
Geändert: 2018-07-22T05:54:17+02:00
Kategorien: Besuch in..
Schlagworte: Doubs

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Das Hinweisschild ist nicht zu übersehen: “Nur für schwindelfreie Personen begehbar”.  Wer in die Schlucht absteigen will, muss Stege, Treppen, Brücken und nahezu senkrechte Felswände auf langen Leitern überwinden. Ein no-go für Höhenschwindler und Schwindelwanderer wie mich. Doch murkse ich nun schon soo lange an dieser Wanderung herum. Einmal muss es sein. Augen zu und niemals und nie in die Tiefe schauen. Und kein Wort über mein Vorhaben an Frau L.

Mäxle parke ich wiederum in La Goule, dem Endpunkt der Wanderung. Ein in Saignelégier angeheuertes Taxi  bringt mich wieder auf die Jurahöhen und an den Ausgangspunkt La Ferrière. Schliesslich stehen mir 5 Stunden Wandern bevor.

Von La Ferrière führen Forstwege etwa 200 Höhenmeter hinab mitten in die Combe de Valanvron, eine Schlucht, die hinter dem Friedhof von La Chaux-de-Fonds beginnt. Dunkler Wald, liebliche Lichtungen, gesäumt von mannshohem Kerbel, Mädesüss und Wildblumen. Umflattert von einem Schluchtengetümmel bunter Schmetterlinge. Stille. Einzig vernehmbarer Schluchtenlärm ist das Schluchzen, Zwitschern und Kreischen von Vögeln.

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Entwässert wird das Tal durch den Wildbach La Ronde, der aber in der warmen Jahreszeit kein Wasser führt. Am tiefsten Punkt weitet sich die Schlucht und findet in einem weitgehend verlandeten, braunen Tümpelsee mit dem sinnigen Namen Cul des Près  ihren Abschluss.

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Dann naht die Stunde der Wahrheit. Die ersten Leitersprossen sind noch harmlos.

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Und plötzlich steht man überrascht am Abgrund: halb so schlimm, entschärft durch zwei lange Treppenleitern aus brossiertem, edlem Chromstahl,  beinahe stöckelschuhgängig, solide Schweizer Wertarbeit mit ungezählten Treppentritten samt beidseitigem Geländer, immer wieder unterbrochen durch vertikale Leitertritte und kleine Podeste. Auf solchen Leitern würde ich sogar aufs Matterhorn klettern! Geht doch!

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Auch wenn sich der verwöhnte Wanderer bei den folgenden Leitern und Treppen wieder mit verzinktem Stahlblech, Steinstufen und zuletzt mit Holzbohlen bescheiden muss: mit Bedacht ist alles sicher und schwindelfrei zu bewandern.

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Feuchte Moosfetzen hängen von den Bäumen herab, modernde Baumstämme liegen kreuz und quer und erinnern an einen Tropenwald. So geht es an hoch aufragenden Felsen vorbei weiter abwärts.

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Unterwegs trifft man auf schauderliche Höhlen, die ich leise auf Zehenspitzen umgehe. Soll den schlafenden, siebenköpfigen Drachen töten wer will. Ohne dass dafür eine schöne Königstochter zu gewinnen wäre, rühre ich keinen Finger. Mein Schweizer Taschenmesser bleibt im Rucksack.

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Am tiefsten Punkt der steilen Schlucht gelangt man an den Seitenarm des Lac de Biaufond, einem Paradies für Wasservögel.

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Hier bin ich wieder am Doubs. Am Stausee entlang geht es erst über Felder dann über Forstwege wieder hoch hinauf. Alles im Wald. Weit unten hört man den Doubs rauschen. Hin und wieder sieht man ihn auch in der Tiefe glitzern. Langweilig. Ich hätte doch auf die französische Seite wechseln sollen. Dort verläuft der Weg meist näher am Ufer. Aber das lässt sich ja wiederholen.

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Nach weiteren 3 Stunden winkt endlich das einsame Gasthaus in La Bouège mit Wasser und Kaffee.

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Nun fehlt noch die Königsetappe mit 6 Stunden Marschzeit. Dann fühle ich mich fit für 3 Tage Wandern in Strassenschluchten: Mitte September in Berlin. Ick freu mir.