Frühling ist’s. Winter hat sich auf die Gelenke gelegt, sich schmerzhaft in die Knochen gefressen. Die wollen nicht mehr wie ich will. Seit Wochen trainiere ich sie mit Stadtwanderungen, um wieder wandern zu können. Denn ich bin noch lange nicht am Ende meiner Reise, am Ende meines Flusses angelangt. Vor ein paar Tagen galt es ernst: 16 km Anfängerstrecke, flach, durch Wiesen, Wälder und Auen, meist auf schmalen Pfaden dem Fluss entlang wandern. Einlaufen. Und die Gelenke hielten. Diclofenac sei Dank.
Das Auto bleibt in St. Ursanne. Mit dem kleinen Postauto nach Soubey, einem verschlafenen Dorf am Fluss. Die Glasbilder in der Kirche hätte ich mir gerne noch angeschaut, doch die Knie wollten laufen, nicht knien.
Seit dem 15. Jahrhundert waren Mühlen Haupteinnahmequelle des Dorfes. Gespiesen von einer Karstquelle, deren Wasser dem Hochplateau der Freiberge entspringt, trieb der Wildbach Bief de l’Envers drei Mühlen, zwei Sägereien, eine Ölmühle und einen Maschinenhammer an. Mühlen und Maschinen sind längst stillgelegt, der ungestüme Wildbach wird nun von einer Forellenzucht genutzt, bevor er sich mit dem Doubs vereinigt.
An den wenigen Stellen, wo sich das Tal weitet, liegen einsame Bauerngehöfte. Blühende Natur. Stille. Kaum ein Mensch. Leider auch keine einzige Morchel.
Die Wanderstrecke liegt grösstenteils in einem Naturschutzgebiet. Das Tal ist auf dieser Wanderstrecke lieblicher und offener als die weiter flussaufwärts gelegenen Abschnitte, wo sich der Fluss durch enge, dunkle, teils schroffe Schluchten frisst.
Kurz nach La Charbonnière wechsle ich über einen Metallsteg auf die linke Seite des Doubs, von der Strasse auf den Wanderpfad.
Beim Weiler La Tariche ist Schluss mit Einsamkeit. Durch Rufen und Winken macht man auf sich aufmerksam. Mit etwas Glück kommt des Wirtes Töchterlein und setzt einen mit einer Fähre am Seil über. Und nach einer Stärkung wieder zurück auf den linksseitigen Wanderpfad. Wer auf der rechten Seite bleiben will, wandert auf Asphalt. Wer am Wochenende oder in der Ferienzeit kommt, muss den Fluss mit Wasser- und Freizeitsportlern, Campingbesuchern und Sonnenbadenden teilen.
Tanz der Todgeweihten: Fest umschlungen würgt der Efeu den Apfelbaum langsam zu Tode, will ihm die blühende Lust ein für allemal austreiben. Daneben versucht die siechende Esche ein paar Tanzschritte. Doch auch sie ist vom Tod gezeichnet. Die Eschenpest wird Sieger des Ringens, überwältigt alle.
Schlussstein einer wunderschönen Wanderung.
Die weiteren, bisherigen Etappen sind unter dem tag “Doubs” auf der rechten Seitenleiste abgelegt.