CH-3700 Spiez: Schloss am Wendelsee

Original: http://lamiacucina.blog/2015/09/06/ch-3700-spiez-schloss-am-wendelsee/
Datum: 2015-09-06T05:00:38+01:00
Geändert: 2015-09-06T13:14:20+01:00
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CH-3700 Spiez

Endlich, endlich passte wieder einmal alles zusammen: Gesundheit, Wetter,  freie Zeit, Reiselust, Benzin im Tank. Ab über den Brünig nach Spiez an den “Goldenen Hof” des Minnesängers Heinrich von Strättligen am Wendelsee (der alte Namen klingt doch viel schöner als “Thunersee”).
Das auf einem in den See hinausragenden, kleinen Geländesporn (Spitz) gelegene Schloss ist einer der eindrücklichsten Zeugen bernischer Geschichte am Thunersee. Erbaut wurde es von den Freiherren von Strättligen, die zwischen 1175 und 1338 über die Herrschaft Spiez regierten und einen ritterlichen Lebensstil führten, wie der mittelalterlichen Liederhandschrift Codex Manesse und andern Hinweisen zu entnehmen ist. Der Turm stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die Anlage wurde im Spätmittelalter um den Palas und den Nordbau erweitert. Die Wohnräume sind mehrheitlich spätgotisch ausgestattet und beherbergen heute das Schlossmuseum. Es zeigt den Wandel von einer mittelalterlichen Burg zu einem patrizischen Wohnsitz.

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Bergfried und Palas

1338 wurde die Herrschaft an Johann II von Bubenberg verkauft, Schultheiss der Stadt Bern. Bekanntester Vertreter des Geschlechts ist Adrian I von Bubenberg (1434-1479). Der Knabe wurde als Page am Hof Herzog Philipps des Guten von Burgund erzogen. Zog 1455 mit eigener Mannschaft nach Dijon, um am Kreuzzug gegen die Türken teilzunehmen. Doch der Kreuzzug wurde abgesagt. 1466 schaffte er es als Pilger doch noch nach Jerusalem, wo er am Heiligen Grab den Ritterschlag erhielt. 2 Jahre später führte er die bernischen Truppen als Oberbefehlshaber in den Sundgauerzug. Wiederholte Gesandtschaften nach Savoyen, Burgund und ins Reich festigten seine Rolle als einflussreicher Staatsmann. Seine entschiedene Haltung als Wortführer der Adelspartei, die sich ihre Machtbefugnisse und Vorrechte nicht von einfachen Stadtbürgern beschneiden lassen wollte, sowie sein kompromissloses Eintreten gegen die von der Ratsmehrheit befürwortete Allianz mit der französischen Krone gegen das Herzogtum Burgund führte 1475 zu seinem Ausschluss aus dem Kleinen Rat der Stadt Bern und zum Verbot politischer Aktivitäten.
Ein Jahr später überschlugen sich die Ereignisse. Am 28. Februar 1476 nahm der Herzog von Burgund nach kurzer Belagerung die Stadt Grandson am Neuenburger See ein und liess die eidgenössische Besatzung von 412 Mann an den Bäumen aufknüpfen. Ziel des Heerzuges war die Unterwerfung der Städte Bern und Freiburg. Am 2. März 1476 kam es in der Schlacht bei Grandson zum ersten grossen Treffen, bei dem Karls Truppen eine Niederlage hinnehmen mussten. Danach flüchtete Karl nach Lausanne. Dort sammelte er in kurzer Zeit ein neues Heer.

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Thunersee mit Blick von der Schlossterasse auf Brienz Merligen

In der Not erinnerte sich Bern des gedemütigten Staatsmannes und Heerführers. Im April 1476 wurde Bubendorf zum Kommandanten von Murten ernannt. Im Juni stiess Karl von Burgund durch die Waadt auf Murten in Richtung Bern vor. Der Rest ist Geschichte. Adrian I wurde rehabilitiert und wieder zum Schultheissen gewählt. Die erfolgreiche Verteidigung von Murten war späteren Generationen ein Denkmal wert. Ritter ohne Pferd oder Staatsmann zu Fuss?

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Adrian I von Bubenberg. Im Hintergrund wächst der gute Spiezer.

Der selbstlose Einsatz für die Stadt Bern stürzte Adrian I  in grosse Schulden. Mit seinem Sohn Adrian II. von Bubenberg starb das Geschlecht 1506 aus. Die Erben schlugen die überschuldete Hinterlassenschaft aus. 1516 gelangten Schloss und Herrschaft Spiez an die Familie von Erlach, die hier, bevor sie selbst in finanzielle Probleme geriet,  bis 1875 residierte. Franz Ludwig von Erlach liess 1614 einen prächtigen Festsaal einbauen und mit frühbarocken Stuckaturen ausstatten. Im 17./18. Jahrhundert bauten die Erlachs nach Süden hin das “Neue Schloss”, ein Spätbarockgebäude.

Mobiliar und Bibliothek wurden 1877 verscherbelt, das Schloss an einen Berliner Fabrikanten verkauft, der es mit Türmchen und Erkerchen nach Neuschwansteiner Vorbild zu verschönern suchte. Danach wechselte es rasch die Hand, bis es 1927 von einer Stiftung übernommen wurde, die in der Folge die ursprüngliche Anlage, soweit dies noch möglich war, wieder herstellte.

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Schlosskirche Spiez

Die erstmals 762 erwähnte Kirche wurde zu Beginn des 10. Jahrhunderts zur frühromanische Dreiapsidenbasilika vergrössert und um 1200 mit monumentalen Wandmalereien ausgestattet. Bis ins frühe 20. Jahrhundert diente sie als Pfarrkirche. Die Basilika wurde 1670 dem damaligen barocken Geschmack angepasst. Durch die Restaurierung von 1949/1950 wurde der ursprüngliche Zustand mit Hochchor und Krypta wieder hergestellt.

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Quellen:
wiki: Bubenberg
wiki: Burgunderkriege
Historisches Lexikon der Schweiz: Bubenberg
Spiez Info