Manchmal sind es eigenartige Zufälle, die mich an einen Ort führen. Ausgangspunkt war eine (sehr) gute Flasche Pinot noir Kloster Sion. Das Kloster Sion darf man aber keineswegs in Sion (Sitten), der Hauptstadt des Wallis, vermuten. Das Kloster Sion stand einst in Klingnau, einem Kleinstädtchen an der Aare, nahe der Mündung der Aare in den Rhein. Der griechisch/lateinische Name Sion, hebräisch Zion, leitet sich seit salomonischen Zeiten von der Tempelstadt Jerusalem ab.
Ulrich II. von Klingen aus dem Thurgauischen Altenklingen gründete das Städtchen Klingnau 1239 auf Land, das er vom Kloster St. Blasien gegen die Aareinsel Beznau eingetauscht hatte. Die Freiherren von Klingen standen im Dienst Habsburgs. Ulrichs Sohn, der Minnesänger Walter von Klingen, ein Vetter und Vertrauter Rudolfs I. von Habsburg, gründete in Klingnau 1269 das Kloster Sion für den Wilhelmitenorden und baute eine Brücke über die Aare. Vorher schon, 1256, stiftete er das Dominikanerinnenkloster Klingental, das sich seit 1274 zu einem der bedeutendsten Klöster Basels entwickelte. Bis es dann im Zuge der Reformation aufgehoben wurde und mir heute freundlicherweise in einer Ecke des Areals Obdach gewährt.
Klingnau lag im Mittelalter verkehrstechnisch günstig. Der Warenverkehr in den süddeutschen Raum wurde über die Achse Klingnau / Zurzach auf dem Landweg abgewickelt. In Klingnau wurden die Aareschiffe entladen. Das brachte Zolleinnahmen.
1243 wurde Chlingenowe (Auen der Klingen) erstmal urkundlich als Stadt erwähnt.
1269 verkaufte Walter von Klingen u.a. das Städtchen und die Aarebrücke an den Bischof von Konstanz. Das Bistum, dauernd in Geldnot, trat laufend Rechte ab so dass u.a. die Habsburger, das Kloster Sankt Blasien, der Johanniterorden und das Chorherrenstift Zurzach Machtbefugnisse in Klingnau hatten.
1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Klingnau gehörte nun zur Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft. Die Eidgenossen zogen bis 1712 praktisch alle Rechte des Bischofs und der anderen Herrscher an sich. Im 15. Jahrhundert wurde die Brücke über die Aare weggerissen, aber nicht mehr aufgebaut, 1586 zerstörte ein Brand die gesamte Oberstadt.
Am westlichen Abhang zur Aare hin, steht die markante Propstei, der ehemalige Verwaltungssitz des Benediktinerklosters Sankt Blasien. Sie wurde zwischen 1745 und 1754 nach den Plänen des Baumeisters Johann Caspar Bagnato erbaut (den wir schon aus Hitzkirch und Bischofszell kennen). Der Klotz wird heute als Schulgebäude und Sitz der Gemeindeverwaltung genutzt.
Im Jahr 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein. Die Helvetische Republik wurde ausgerufen. Klingnau gehörte nun zum kurzlebigen Kanton Baden. Während des Zweiten Koalitionskrieges im Jahr 1799 verlief die Frontlinie zwischen Frankreich und Österreich in unmittelbarer Nähe. Die Österreicher richteten 1814 in der Propstei und im Kloster Sion ein Spital ein.
Das Städtchen konnte sich wirtschaftlich kaum entwickeln, da es stets im Schatten der grösseren, nahegelegenen Orte Zurzach und Baden stand. Das Kloster Sion blieb bis 1725 selbständig, dann kam es zu St. Blasien. Die Gebäude wurden nach der Klosteraufhebung 1810 zunächst als Baumwollfabrik und ab 1837 als Seidenmanufaktur verwendet und im Laufe der Zeit zu Wohnblöcken umgebaut. Erhalten sind noch ein Mäuerchen und der alte gewölbte Klosterkeller.
Lediglich der Weinbau erlangte eine gewisse Bedeutung, so betrug die Anbaufläche im Jahr 1780 rund 115 Hektaren. Heute sind es noch 10 Hektaren, die sich auf verschiedene Besitzer verteilen. Dank des Stausees und der topographischen Lage weisen die Klingnauer Reblagen ein für Rebbau gut geeignetes Mikroklima auf.
Damit kommen wir zum Wein der Familie Meier. Die Familie, die im nahen Würenlingen auf dem Hof Widum seit Urzeiten (1462) Lehensleute (Meier) des Stiftes Zurzach waren, konnten 1730 den Hof und 1894 Reblagen des Klosters Sion erwerben. Das 11,3 Hektaren umfassende, in den Gemeinden Klingnau, Döttingen und Würenlingen liegende Weingut zum Sternen wird heute in der dritten Generation von Andreas Meier geführt. Daselbst führt Bruder Adrian Meier den Gasthof.
Hier, im Sternen Würenlingen, assen wir zu Mittag. Gute Landgasthofküche, hier wird unbeeinflusst von allen Modeströmungen im alten Stil gekocht. Frau L. war sehr zufrieden. Weine gibts ausschliesslich vom Weingut. Alle produzierten Weine werden auch offen ausgeschenkt.