Im Jahr 14 n. Chr. bauten die Römer etwa fünf Kilometer westlich von Baden das Legionslager Vindonissa. An der Flussbiegung der Limmat fanden die wärmehungrigen Südländer Thermalwasser und begannen, die warmen Quellen zu nutzen (Aquae Helveticae).
Noch vor der Jahrtausendwende entstand auf dem Felsgrat des Schlossbergs die Burg- und Wehranlage Stein, die im Besitze namhafter Geschlechter wie der Nellenburger und Lenzburger war, und im 13. Jahrhundert in die Hände der Habsburger fiel. Im Jahr 1297 erfolgte die formelle Stadtgründung durch die Habsburger.
Albrecht I. von Habsburg erkannte das strategische Potenzial der Siedlung an der engsten Stelle zwischen Burg Stein und dem Lägerngrat. Durch den Bau einer Holzbrücke entwickelte sich Baden zum Verkehrsknotenpunkt. Gleichzeitig liess er Baden als Sperrfestung gegen Zürichs Expansionsdrang ausbauen.
1303–1307 entstand der Habsburger Urbar, eine Inventarliste sämtlicher rechtlichen Ansprüche (Rechtstitel, Besitztümer und Zinsabgaben), welche die Habsburger anfangs des 14. Jahrhunderts in ihren Vorlanden (Vorderösterreich, Elsass und Schweiz) für sich in Anspruch nahmen. Dessen Aufbewahrungsort war die Burg Stein, die sich zum Verwaltungssitz und zentralen Archiv Vorderösterreichs entwickelte.
Die Eidgenossen eroberten die Stadt 1415 im Auftrag von König Sigismund, beschlagnahmten das Urbar (ein Konvolut meterlanger Pergamentrollen) und schleiften die Festung. Von diesem Verlust des Gedächtnisses (einem Computercrash ohne Backup vergleichbaren Super-GAU) sollte sich das habsburgische Vorderösterreich nie mehr erholen.
De facto übernahmen die Eidgenossen die Landesherrschaft. Baden und die nähere Umgebung wurden als Grafschaft Baden zu einer Gemeinen Herrschaft, einem gemeinsam verwalteten Untertanengebiet der Acht Alten Orte. Jeder Ort stellte im Zweijahresrhythmus einen Landvogt, der im Landvogteischloss residierte.
Schon zu habsburgischer Zeit war Baden wegen der Bäder und der damit verbundenen, nackigen Lustbarkeiten und Zerstreuungen ein beliebter Verhandlungsort gewesen. Die Eidgenossen setzten diese Tradition fort. Zur Verwaltung der gemeinsam eroberten Gebiete trafen sich die Abgesandten ab 1416 im Badener Rathaus zu Tagsatzungen. Dabei wurde, neben der Abnahme der Jahresrechnungen aller Gemeinen Herrschaften, auch über Bündnisse, Krieg und Frieden entschieden.
Nachdem ich bei früheren Besuchen wegen schlechter Witterungsverhältnisse nie fotografieren konnte, war endlich schönes Wetter, die Altstadt diesmal aber von Baufirmen vollständig umgepflügt. Das Rathaus und der Tagsatzungssaal wegen Renovation geschlossen.
Die lateinische Inschrift an der Nepomuk-Statue bei der Holzbrücke liest sich beeindruckend:
Des heiligen römischen Reiches Graf von und in Trautmannsdorf, Freiherr von Tossenbach, Herr in Klein Karlowitz und Glasendorf, Oberster Feldherr von Steiermark, Erblicher Bannerherr Ihrer Kaiserlichen Majestät, Geheimer Rat und Kammerherr, Stellvertretender Vorsteher der Oesterreichischen Kammer und zur Zeit auch ausserordentlicher Gesandter bei den Eidgenossen liess dieses Standbild zu Ehren des heiligen Johannes Nepomuk aus persoenlicher Ehrerbietung oeffentlich aufstellen im Jahre 1707.
Einmal unten, an der Limmat angelangt, wollte ich zur Burg Stein hochsteigen. Für mich eine beinahe alpinistische Leistung. Gut, war Frau L. nicht dabei.
Langsam, mit vielen Pausen stieg ich hoch. Eine kaputte Herzklappe lässt sich halt nicht mehr gesund trainieren. Wurde von einer lärmenden Schulklasse locker überholt. Eine Katze, durch Freundlichkeiten angelockt, begleitete mich eine Weile. Eidechsen sind interessanter.
Endlich kam auch ich oben an. Schweissgebadet. Und das in Baden. Die Burgmauer war von der Schar schnatternder und quietschender Jugendlicher längst erobert. Der Lehrer dozierte aus der Geschichte Badens. Ausser mir hörte niemand zu. Alle waren mit ihren Smart-Phones beschäftigt. Swipe ‘n Tap n’ SMS. Spielchen spielen. Facebook-Freunde abgleichen. Freunde ? Das alles macht mich in Bezug auf die eigenen Blog-Aktivitäten nachdenklich. Wie hat 1949 Theodor Adorno gesagt: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Oder aktueller Bolli in ihrem so treffenden Abschieds-Beitrag: Das wahre Leben spielt sich anderswo ab. Was will ich hier überhaupt mit Geschichte ? Keine Generation ist bereit, aus der Geschichte zu lernen. Jede Generation wiederholt die Fehler früherer Generationen, und macht dabei ihre eigenen Erfahrungen. Was will ich hier mit Kochrezepten, die es in gleicher oder ähnlicher Form im Netz bereits in tausend Varianten gibt ?
Verunsicherung. Ich wäre besser baden gegangen. Immerhin ist die Aussicht von hier oben schön:
1526 entschieden sich die Badener Bürger anlässlich einer öffentlichen Glaubensdisputation zwischen Katholiken und Reformierten für den alten Glauben. Nach der Niederlage der Reformierten im Ersten Villmergerkrieg von 1655/1656 begann Baden in Missachtung der Friedensverträge mit dem Wiederaufbau der Burg Stein als Festung und verstärkte die Stadtmauern. Zürich protestierte gegen den Festungsbau und verbot seinen Bürgern für sechs Jahre den Besuch der Bäder. Baden berief sich auf seine Stellung als Freie Reichsstadt.
Im 2. Villmergerkrieg 1712 unterlagen die Katholiken den Reformierten. Baden wurde von Bern und Zürich belagert, kapitulierte und Schloss wie Stadtbefestigung wurden geschleift. Als besondere Demütigung wurde den Badenern im neuen Friedensvertrag auferlegt, aus dem Abbruchmaterial der Burg eine reformierte Stadtkirche zu erbauen. Baden wurde fortan nur noch sporadisch als Tagsatzungsort benutzt und musste schliesslich auch noch die Kriegswirren der Französischen Revolution und Napoleons über sich ergehen lassen, von denen sich die Stadt nur langsam erholte. Nach der Gründung des eidgenössischen Staatenbundes 1815 erholte sich Baden jedoch zunehmend. Das Kurgebiet wurde erneuert. Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung Fuss zu fassen, insbesondere mit der 1891 erfolgten Gründung der Firma Brown Boveri. 1847 wurde Baden Endpunkt der ersten schweizerischen Eisenbahnlinie Zürich—Baden (Spanischbrödlibahn).
Sommer. Gekocht wird hier erst wieder, wenns regnet. Oder wenn die Sonne scheint. Spärlicher oder gar nicht. Ohne festen Plan. Wie es sich ergeben wird. Carpe diem.
Quellen: