Reise entlang des Jurabogens

Original: http://lamiacucina.blog/2013/03/03/reise-entlang-des-jurabogens/
Datum: 2013-03-03T05:00:27+02:00
Geändert: 2020-02-10T15:49:50+02:00
Kategorien: Besuch in..
Schlagworte: Jura-Home
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Ile de la Harpe vor Rolle

Wenn man uns wegen des Basler Fasnachtstreibens schon von zuhause vertreibt, wollten wir uns doch eine kleine Ausreise gönnen. Von den Jurahöhen fuhren wir hinunter an den Genfersee (wie jedes Jahr). Assen Malakoffs in Luins (wie jedes Jahr), schauten uns die Zitrusfrüchte im Gartencenter an (wie jedes Jahr) und fuhren wieder heim, alles den Höhen des Jurabogens entlang. Auch wie jedes Jahr. Zwischendurch sind wir noch eine Runde um das prächtige Savoyerschloss mit den vier mächtigen Rundtürmen in Rolle gelaufen. Es wurde 1264-69 durch Peter II. von Savoyen erbaut. Bis 1530 war es eine Festung, die landseitig durch einen breiten Graben gesichert war und von den savoyischen Herrschern bewohnt wurde. Anlässlich der Eroberung der Waadt 1536 setzten die Berner das Schloss in Brand, 1558 wurde es durch einen Berner Financier neu aufgebaut. Die kleine Insel Ile de la Harpe, benannt nach einem Anführer der Waadtländer Revolution, ist ein google Kuriosum. Sie existiert auf google maps Karten nur in der Satellitenansicht. Auf den Karten ist sie nicht eingezeichnet.

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Schloss Rolle, Eingang zum Hof

Die Schlossanlage hat einen unregelmässigen Grundriss: Drei Flügel mit einem nach Westen offenen, trapezförmigen Hof. Der grösste Teil der Gebäude stammt von den Um- und Neubauten im 15. und 16. Jahrhundert. Am Ende der Berner Herrschaft wurde es von der Stadt Rolle gekauft. Es diente der Stadt als Verwaltungsgebäude, Gefängnis, Gericht, Archiv für Schulen, Lehrerwohnungen und Standesamt. Im Südostturm befindet sich die Bibliothek mit 13’000 Bänden.

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Schloss Rolle, rechts der Latrinenturm

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Schloss Rolle, Hof  [Bilder vom Schloss stammen vom letzten Besuch]

Nach den Malakoffs in Luins, den seit Jahren guten Käseschnitten in der Auberge communale, noch ein Gang zum Kirchlein. Wegen der Aussicht, nicht wegen der Seele. Die Pfarrkirche Saint-Pierre steht am Hang oberhalb des Dorfes inmitten der Reben. Sie gehörte im Mittelalter zum Benediktinerpriorat Payerne. Der heutige Bau stammt von 1674.

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Kirche St. Pierre in Luins

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Blick auf Luins

Und da wir schon in der Gegend waren, guckten wir uns den Frühling in den Treibhäusern des Gartencenters in Gland an.

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Buddhas Hand im Gartencenter

Da die Strassenverhältnisse gut waren, fuhren wir entlang des Jurabogens nach Hause. Als Jurabogen wird heute der langgezogene Gebirgszug aus parallelen Ketten bezeichnet, der westlich und nordwestlich des schweizerischen Mittellandes liegt. Auf einer Länge von rund 300 km wurden während der Bildung der Hochalpen vor rund 10 bis 2 Mio Jahren durch den entstandenen Druck die Kalkgesteinsschichten im Jura aufgeworfen und verfaltet. Über einen Pass, den Col du Marchairuz, gings nach Le Brassus, ins Vallée de Joux, eines der Längstäler zwischen den aufgeworfenen Faltenzügen. So viel Schnee haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Vor lauter Schneeschauen vergass ich das Fotografieren. Früher war die abgelegene Gegend isoliert und arm. Bis zum ersten Weltkrieg wurde das Eis des Lac de Joux in Blöcke geschnitten, kühl gelagert und im Sommer nach Paris verkauft. Die Uhrenindustrie (u.a. Audemars Piguet, Breguet, Jaeger-LeCoultre), der Langlauftourismus und die Nachfrage nach dem Vacherin Mont d’Or-Käse haben einen gewissen Aufschwung gebracht. Weiter nach Vallorbe.

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Col du Marchairuz

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Col du Marchairuz

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Lac de Joux, gefroren

Wenn man die Höhe des Jurabogens halten will, muss man nach Vallorbe ein kurzes Stück durch Frankreich ins nächste Paralleltal fahren, bei Les Ferrières gehts wieder in die Schweiz. Schnee auch hier.

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Friedhof von Les Verrières

Am gefrorenen Lac des Taillères vorbei nach La Brévine. Dicht stehen hier die Häuser beieinander, wie um sich gegenseitig vor Wind und Kälte zu schützen. La Brévine gilt mit dem absoluten Rekord von minus 41,8 Grad als Schweizerisches Sibirien.

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Temple de la Brévine

Das Tal von La Brévine war bis ins 16. Jahrhundert hinein kaum besiedelt. Wildnis. Wer will hier schon wohnen. Rund um die 1604 erbaute Kirche hat die Gemeinde eine Art Temperaturen-Kreuzweg aufstellen lassen. Pilger sind uns keine begegnet und auch wir haben uns rasch bekreuzigt und sind wieder ins warme Auto gestiegen. So kalt wie die Anzeige wars aber gar nicht 😉

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