CH-8252 Schlatt: Paradies statt R(h)einfall

Original: http://lamiacucina.blog/2012/08/05/ch-8252-schlatt-paradies-statt-rheinfall/
Datum: 2012-08-05T04:00:30+01:00
Geändert: 2012-07-28T12:19:28+01:00
Kategorien: Besuch in..
Schlagworte: Keine
CH-8252 Schlatt 0_2012 06 15_5436

Rheinfall, viel Wasser, ungeheuer viele Menschen, und doch keiner zu sehen

Bei schönem, warmem Wetter wollten wir nach der Schneeschmelze wieder einmal an den Rheinfall. Fallendes Wasser wäre genug da gewesen, das den Besuch gelohnt hätte. Doch seit unserm letzten Besuch vor etwa 20 Jahren scheint der Rheinfall ein “must”-Besuchsziel vieler Europareisender aus China, Japan und Amerika geworden zu sein. Heerscharen von Touristen belagerten die Uferpromenade. Das Restaurant im Schlössli Wörth war völlig ausgebucht. Nichts für uns. Bild geknipst und weg von hier. Die Schaffhauserin Frau L. wusste Rat, Mittagessen in dem bei Touristen kaum bekannten Restaurant Paradies, etwas oberhalb Schaffhausen direkt am Rhein gelegen.

CH-8252 Schlatt 3_2012 06 28_5641

Restaurant zum Paradies

Hier liess sich im Schatten von Kastanien behaglich, direkt am Wasser speisen: einfach, gut, friedlich, ohne Menschenmassen.

CH-8252 Schlatt 1_2012 06 28_5633

Rhein mit Kursschiff und Tellergericht

Das Klostergut Paradies wurde im Jahre 1253 als Frauenkloster des Klarissenordens gegründet, finanziert mit einer Spende von Graf Hartmann IV. von Kiburg. Wie die meisten Klöster war auch das Paradies Selbstversorger und somit auf einen landwirtschaftlichen Gutsbetrieb angewiesen. Der Gutsbetrieb des Klosters Paradies umfasste vor der Säkularisation um 1803 rund 500 Hektaren Wald, Äcker und Wiesen.

1330 erwarb das Klostergut in der Stadt Schaffhausen das Burgrecht und geriet allmählich unter städtische Verwaltung. Während der Reformation hob die Stadt Schaffhausen das Kloster auf. 1574 teilte die eidgenössische Tagsatzung dessen Rechte und Güter auf und beendete damit jahrelange Streitigkeiten.

CH-8252 Schlatt 5_2012 06 28_5642

Klosterhof

1578 erfolgte die Neugründung durch die fünf katholischen Orte (Kantone), 1587 wurde es nach einem Brand wieder aufgebaut. 1799 erlitt das Paradies erhebliche Verluste durch Kriegsschäden und Requisitionen. Im Zuge der Aufhebung der Klöster im Jahre 1836 wurde der Klosterbetrieb nach dem Tod der letzten Äbtissin erneut eingestellt.

CH-8252-Schlatt 9_2012 07 26_6405

Süd-West-Flügel des Klosters

CH-8252 Schlatt 8_2012 07 26_6401

Ost-Flügel mit Kirche

Nach der Säkularisierung wurde das Gut vom Kanton versteigert. Nach verschiedenen Besitzerwechseln erwarb die Schaffhauser Eisengiesserei Georg Fischer AG im Kriegsjahr 1918 das Klostergut samt der damals noch etwa 50 Hektar grossen Landwirtschaftsfläche, um ihre Arbeiter mit Nahrung und Unterkunft zu versorgen. 1952 wurde die Anlage restauriert, 1974 ein Ausbildungszentrum im Klostergut eröffnet und das Restaurant Paradies am Rhein als öffentliche “Betriebskantine” hinzugekauft.

CH-8252 Schlatt 7_2012 06 28_5644

Mühle und Säge waren Teil des Gutsbetriebes

CH-8252 Schlatt 4_2012 06 28_5643

Der Brunnen aus Eisenguss dürfte wohl aus der Giesserei GF stammen

CH-8252 Schlatt 4_2012 06 28_5645

Die 1726 barock umgestaltete Klosterkirche wurde 2001-02 vollständig restauriert

Am Rhein erinnert ein Gedenkstein an 55 Jahre Kriegszustand. Immerhin sinds keine 1000 Jahre geworden.

CH-8252 Schlatt 2_2012 06 15_5447

Kriegsende 1994

Quellen:
GF Klostergut Paradies
wiki Paradies
HSL Paradies