Vor langer, langer Zeit, besass ich ein altes Röhren-Radio. Dichtgedrängt auf der Wellenlängenskala versammelten sich geheimnisvolle Ortschaften wie Gleiwitz, Kalundborg, Königsberg, Kattowitz, Hilversum, Mährisch-Ostrau, Paris-Eiffelturm und weckten Fernweh. Hier lag die weite, grosse Welt im Aether. Und ganz rechts, eingeklemmt zwischen Laibach, Budapest II und Memel, befand sich der Schweizerische Landessender Beromünster. 1939 noch auf 556 kHz, später auf 531 kHz. Wo das Rauschen aufhörte und das heimelige Pausenzeichen erklang, begann die Heimat. [zum hören Pfeiltaste drücken]
Radio Beromünster wurde als unabhängige Stimme während des zweiten Weltkrieges auch in Deutschland gerne gehört. Trotz Reichsrundfunkgesetz, welches das Abhören von Feindsendern, aber auch von Radio Beromünster bei Strafe untersagte.
Kalundborg und Kattowitz sind für uns unerreichbar geworden. Aber für Beromünster reichts noch. Das liegt ganze Anderthalbstunden von Basel entfernt. Und weils in der Ortschaft kein vernünftiges Restaurant gibt, haben wir beim Werner Tobler in der Braui in Hochdorf zu Mittag gegessen. Luzerner Chässuppe (köstlich), Rind-/Kalbs-Filetspitzen mit Gemüse und Brösmeli-bestreuten Schupfnudeln. Der Kaffee mit frischem Kaffeerahm, keines dieser grauenhaften UHT-Plastik-chübeli. Ein viel versprechender Anfang.
Danach ab Richtung Beromünster. Dass wir uns hier in katholischem Kernland bewegen, beweisen die vielen Kreuze und Kapellen am Wegrand. U.a. die Kapelle Gormund. Eine neben der Strasse nach Beromünster auf einem Hügel gelegene Wallfahrtskapelle. Der Legende nach habe man auf dem Hügel regelmässig lieblichen Gesang und ein Leuchten wahrgenommen. Um 1500 sei dann ein Marienbildstöckli errichtet worden. 1509 stellte Weihbischof Balthasar von Konstanz der Kapelle den Weihebrief aus.
Kurz nachher langten wir in Beromünster an, dem alten Marktflecken. Der Ort hiess bis 1934 Münster im Aargau. Wegen Friktionen mit dem deutschen Radiosender Münster in Westfalen musste das Dorf nach Erstellung des Sendeturms 1931 umgetauft werden. Namensgebend war das im Ort gelegene Chorherrenstift Beromünster, das, der Legende nach, eine Gründung von Graf Bero sein soll, dessen Sohn hier im Kampf mit einem Bären gestorben war.
Der Fläcke, Ortskern, verdankt seinen Namen dem Marktrecht. Heute werden hier noch 3 Märkte abgehalten: Fasnachtsmarkt am Schmutzigen Donnerstag, Kilbi-Markt am Wochenende nach dem Buss- und Bettag sowie der Katharinenmarkt am Samstag vor dem Katharinentag. Die Bürgerhäuser an den Haupt- und Nebengassen bilden ein hübsches Ortsbild, geplant und gebaut nach einem schweren Brandunglück von 1764.
Weit herum bekannt ist das Städtchen durch den Beromünsterer Umritt. Ursprünglich ein Bannritt, eine religiöse Weihe der Grenze der Pfarrei. Er reicht vermutlich in die ältesten Zeiten des Stifts und der Pfarrei zurück. Der früher eher bescheidene Bannumgang mit Prozession wurde im Verlauf der Zeit immer festlicher, bunter. In der Barockzeit wurde daraus ein Festzug mit Trompeten. Seit dem 19. Jahrhun dert mit Reitermusik.
Am untern Ende des Fläckens befinden sich die Dorfkirche St. Stephan und das Gemeindehaus.
Rund um die Stiftskirche St. Michael angeordnet sind Propstei, die Kustorei, über 30 Chorhöfe und Pfrundhäuser, Stiftstheater und Schol – ein architektonisches Kunstwerk. Hier im Bild der profane Gasthof Hirschen.
Die Stiftskirche St. Michael mit ihrer über 1000 jährigen Geschichte. Mehr davon demnächst.
Ach, den Aufhänger hätte ich beinahe vergessen. Nach dem Besuch in Beromünster fuhren wir auf den Blosenberg. Hier steht das, was vom Landessender übrig geblieben ist. Der 215 m hohe Sendeturm von “Puuremünster”.
Die Aussicht ist wunderschön, muss ja für einen Sendeturm so sein.
Für den friedvollen Abschluss des schönen Ausflugs sorgten die Bauernkatzen, deren Fell sich seit der Abschaltung des 600 kW Senders nicht mehr zu sträuben braucht.
Quellen:
wiki
Chorherrenstift Beromünster
Radiomuseum Pausenzeichen