Jeder Ort, der etwas auf sich hält, angefangen von Aachen über Nürnberg und Niederbipp bis Zürich und Zuffenhausen, führt in diesen Tagen einen Weihnachtsmarkt durch. So auch Basel. Baslerische Bescheidenheit spricht schlicht von der längsten Weihnachtsstrasse Europas. Neu ist dieses Jahr ein kleiner Ableger auf dem kleinen Münsterplatz, unter den Kastanien beim Pisonibrunnen. Den wollte sich Frau L. mal anschauen. Ich brummle was von Kitsch. Frau L. hält dagegen, Kitsch wärme die Seele, zudem benötigten wir dringend noch ein geschnitztes Schaf in die Krippe. Das neunundzwanzigste.
Nett, mehr habe ich dazu nicht zu sagen. Gastronomisch das übliche Glühweinangebot, die unvermeidlichen Kääsküechli von Wacker. Pommes frites mit Ketchup und Würsten der Metzgerei Eiche. In den Bäumen hangen hübsch beleuchtete Schneesterne. In den Holzhüttchen das übliche Weihnachtsmarktangebot an verlogenem Nippes. Oohwieschöön. Zeug das niemand braucht, das niemandem etwas nützt und trotzdem so gerne gekauft wird.
Eingenebelt von Glühweinschwaden lässt sich das Sterneglitzern auf der Wasseroberfläche des Brunnens besonders schön beobachten.
Auf dem Heimweg, vom Münsterplatz den Rheinsprung zur Rheinbrücke hinunter, führt unser Weg an der winzigen Schreibstube, dem Scriptorium des Kalligraphen Andreas Schenk vorbei. Hier werden im Auftrag von Kunden in kunstvoller Arbeit Liebesbriefe und Urkunden angefertigt. Unzählige Federn, Federhalter, Bleistifte, Pinsel und farbige Tintenbehälter geben dem kleinen Raum ein mittelalterliches Gepräge. Besonders am frühen Abend im Winterhalbjahr ist ein Blick in die Schreibstube reizvoll. Und wenn einmal nicht von Hand geschrieben wird, wirft der Laptop sein bläuliches Licht ins Mittelalter.