Essbare Zapfen und andere zapfologische Merkwürdigkeiten

Original: http://lamiacucina.blog/2010/05/30/essbare-zapfen-und-andere-zapfologische-merkwurdigkeiten/
Datum: 2010-05-30T04:00:45+02:00
Geändert: 2010-05-29T21:14:22+02:00
Kategorien: Gourmandisen
Schlagworte: Keine

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Nicht nur unter den Weinen, auch unter den Zapfen kann man immer wieder erstaunliche Feststellungen machen: Ein vergleichender Blick auf die Weinzapfen der von mir in den letzten Wochen getrunkenen Weine, bestätigt eine langgehegte Vermutung. Kleine Schweizer und deutsche Qualitätsproduzenten leisten sich den Luxus eines teuren Qualitätszapfens. Teuren Chateaux im Bordeaux hingegen kann die Zapfenqualität nicht billig genug sein, obwohl die Bordeaux Chateauxbesitzer pro Flasche  2009-er wieder locker 40 – 1000 € verlangen werden. Man vergleiche die Zapfen von Gantenbein, Grillette, Wittmann oder dem kleinen, französischen Weingut Lisson mit denen von Lynch Bages und Grand Puy Lacoste !

In das Zentrum des Bildes habe ich einen Piraten gelegt. Einen Bouchon Vaudois. Ja, der Zapfen ohne Aufdruck. Der Bouchon Vaudois ist seit 1948 eine registrierte Marke (Name und Form) von Waadtländer Confiseuren. Nur Mitglieder der “Société Vaudoise et Romande des Patrons Pâtissiers, Chocolatiers, Glaciers” dürfen diese Spezialität herstellen. Nicht allzu süss, deshalb geeignet, mich über das Zapfenelend der teuren Weine zu trösten.

Wer sich für die Herstellung der Waadtländer Zapfen interessiert, kann sich hier ein Video (französisch, 4 Minuten) darüber ansehen in der télévision de la suisse romande. Da ist sehr viel Handarbeit dabei. Geschlagenes Eiweiss, Zucker und Mandelpulver werden gemischt, mit Hilfe einer Schablone in dünne Rechtecke gestrichen, diese werden gebacken und noch warm zu Cannelloniröhren aufgerollt. Danach werden sie auf der Innenseite mit Couverture überzogen, letztlich gefüllt mit einer Creme aus Kakaobutter, Zucker, Vanille, gerösteten und gehackten Mandeln, aromatisiert mit einem Schuss Bitter des Diablerets.

Jedesmal, wenn ich durch das kleine Städtchen CH-1860 Aigle fahre, am untern Ende des Rhonetals, kurz vor dem Einfluss in den Genfersee, kaufe ich in der dortigen Confiserie Hedinger einen Zapfen voll dieser Pralinen. Wobei es egal ist, wo man sie kauft, sie stammen eh alle vom gleichen Produzenten. Ende der Gratis-Reklame für ein artisanal hergestelltes, gutes Produkt.

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Das Städtchen selbst ist vor allem bekannt durch sein Schloss, diesem werde ich bei Gelegenheit einen eigenen Beitrag widmen.

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