Dabei habe ich mir geschworen, nie über St. Moritz berichten zu wollen. Bis 1880 war St. Moritz ein kleines, bescheidenes Dorf im Engadin. 1856, mit der Eröffnung des ersten Hotels, des Kulm-Hotels, begann der touristische Aufstieg des Ortes. Heute ist St. Moritz eine kosmopolitische Kleinstadt. Eine grausliche Mischung aus Armani, Versace und schlimmster Bausünden an jeder Strassenecke. Luftverschmutzung und Bodenpreise teils höher als in Städten des Unterlandes. Aber den Reichen und Schönen, bzw. Label-Shoppers und Botox-Gespritzten scheint es hier zu gefallen.
Spontan wollen mir nur wenige Gründe einfallen, St. Moritz aufzusuchen:
1. die Bushaltestelle als Umsteigeort für Reisen im Oberengadin
2. der grosse COOP Laden
3. Konditorei Hanselmann, obwohl das Angebot vergleichbar dem anderer Konditoreien ist.
4. Die Hatecke-Boutique, mit wirklich guten Trockenfleischspezialitäten und einem anständigen espresso.
5. Das Studium der Restaurant-Aushänge, um zu sehen, was in den Töpfen der Profikonkurrenz so köchelt. Morgen gibts bei mir eine Nobelpizza, gesehen im Aushang der Chesa Veglia !
Wahrzeichen von St. Moritz-Dorf ist der Schiefe Turm, ein Rest der im 19. Jahrhundert abgebrochenen Mauritiuskirche aus der Zeit um 1500. Neigung: 5.5 Grad
Wie wohltuend ist dagegen, wenige Kilometer von St. Moritz entfernt in Celerina, die Einkehr in der Kirche San Gian. Teile des Langhauses, der Chor sowie der kleinere Turm stammen aus der Zeit um 1100. In der Spätgotik wurde ein grösserer Turm daneben erbaut. Im Innern nimmt einen die prachtvoll mit Ornamenten bemalte gotische Holzdecke von 1478 sofort gefangen. Die Wandmalereien entstammen der lombardischen Frührenaissance. Der grosse Turm wurde 1682 durch einen Blitzschlag getroffen, jedoch nicht mehr wieder hergestellt, da das Dorf seit 1669 eine Kirche mit Glockenturm im Dorfzentrum besass.
Wundervoll die verwitterte Arvenholztüre: