Bei neblig-trübem, kaltem Februarwetter, das nicht nur Frau L., sondern auch dem Fotoapparat dumpf auf die Befindlichkeit drückte, habe ich mit Madame L. spontan Fribourg besucht, die Stadt an der Saane, Neuland für uns. Das Wetter auch hier nicht anders und dennoch ein Ausflug voll Überraschungen: ein gut erhaltener, grosser, geschlossener, mittelalterlicher Stadtkern, ein gutes Fondue moitié-moitié und ein Besuch im Fabrikladen einer Schokoladefabrik.
Freiburg wurde, wie später Bern, im Jahr 1157 durch Herzog Berthold IV. von Zähringen auf einer hohen Felsnase, die von drei Seiten von der Saane umflossen wird, gegründet. Eine Stadtherrschaft zunächst ohne nennenswerten Umschwung. Mit dem Erlöschen des Geschlechtes der Zähringer erbten die Kyburger die Stadt, die sich in den folgenden Jahren durch Bündnisverträge mit den Nachbarstädten absicherte. 1277 gelangte die Stadt durch Kauf an die Habsburger. In der Folge dehnte die Stadt ihr Territorium durch Kauf auf angrenzende Landgebiete aus. 1452 bis nach den Burgunderkriegen geriet die Stadt in den Einflussbereich des Herzogtums Savoyen, konnte sich aber mit der Teilnahme an den Kriegen gegen Karl den Kühnen von den Savoyern lösen und dabei Gebiete aus savoyischem Besitz erbeuten. 1478 erhielt Freiburg 1478 den Status einer freien Reichsstadt, 1481 erfolgte der Beitritt zur Schweizerischen Eidgenossenschaft. Weiterer Gebietszuwachs auf Kosten der Savoyer erfolgte im 16. Jahrhundert zusammen mit Bern bei der Eroberung des Waadtlandes und bei der Aufteilung der Grafschaft Greyerz.
Während der Reformationszeit blieb Freiburg beim alten Glauben, während Bern zum neuen übertrat. Freiburg blieb bis heute in der Schweiz eine prägende Statte und Kaderschmiede des Katholizismus.
Unsern Rundgang haben wir beim Rathaus, aus dem Jahre 1522, begonnen. Entlang der Hauptstrasse, der Grand-Rue sehenswerte Häuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Zwischendurch ein Blick auf die Kathedrale St. Nicolas.
Vom Burgquartier fällt die Stadt plötzlich steil in das Quartier d’auge ab. Viele gotische und spätgotische Häuser sowie idyllische, mit Brunnen (Samariterbrunnen, Annabrunnen) geschmückte Plätze.
Nach dem Abstieg in die Unterstadt kann Frau L. wegen der gefühlten 800 m Höhenunterschied nicht mehr, zuviel für sie. Ein Geschenk, dass es eine nur von Wasserkraft betriebene Standseilbahn (funiculaire) gibt, die uns wieder nach oben bringt.
Mittagessen gabs im Café Restaurant St. Gothard, für gute Restaurants habe ich eine Nase, ein Fondue moitié-moitié (also halb Greyerzerkäse, halb Freiburger Vacherinkäse mit Brot und Pellkartoffeln. Wie heisst es doch in der Schweiz: Fondue isch guet und git gueti Lunä ! Herrlich das elektrische Mobile an der Decke. Alte Nähmaschinenbestandteile dienen als Antrieb für einen Fonduebrottunkautomaten.
Früher gabs in der Schweiz die Villars Ladenkette, vergleichbar etwa den Kaiser Kaffeegeschäften in D. zur selben Zeit: Kaffee, Schokolade, Tee. Angeboten von Ladentöchtern in dunkeln Vollschürzen mit Spitzenhäubchen. Die grösste Köstlichkeit waren die Kirschgefüllten Tafelschokoladen, sehr beliebt bei uns Kindern (1 Täfelchen aufs Mal).
Die Ladenkette ist verschwunden, samt ihren Mahagonimöbeln und nickelüberzogenen Registrierkassen. Überlebt hat eine kleine Schokoladefabrik, die sich in der Region noch tapfer behauptet, nach deren Produkten man aber ausserregional schwer suchen muss. Nach einigem Umherirren haben wir den Fabrikladen gefunden. Ein Café, ein kleines Museum. Frau L. hat sich unsern Einkaufskorb mit Kirsch, Williams, Abricotine und Damassinepflaumenschnaps Schokoladen gefüllt. Das war dann der etwas abrupte Abschluss der Fastenzeit. Die Schuldfrage ist noch ungeklärt.