Heute ist Weinrallye, der Tag, an dem von an Wein interessierten Weblogs über ein zuvor bestimmtes Thema geschrieben wird. Thema: Die Königin der Reben – Deutscher Riesling aus Spitzenlagen. Der event diesmal ausgerichtet durch Lars von schreiberswein.
Königin oder König ? Je nach Präferenz wird Riesling als Königin der Reben, aber auch als “König der Weine” gepriesen. Weder bürgerlichen Einheiraten noch Mesaillancen und daraus entstandenen Bastarden ist je gelungen, die royale Hierarchie ins Wanken zu bringen. Vergessen die Zeiten, in denen nachgesüsste Massenweine den Ruf der Spitzensorte beinahe ruinierten. Versandet die Bemühungen, die Rieslingtraube durch unbedeutende Neuzüchtungen ersetzen zu wollen. Abgewehrt die Attacken der blaublütigen Konkurrenz der Fürstenhäuser de Chardonnay, de Pinot gris und de Pinot blanc. Deutscher Riesling hat seinen Platz unter den führenden Weissweinen der Welt, den er vor 100 Jahren inne hatte, längst wieder gefunden. Sogar die Schweizer mausern sich langsam zu späten Liebhabern dieser Weine. Der royale Thron der Rieslinge steht fester denn je.
Berühmte Lagen, erste Lagen, große Lagen wurden in der Ausschreibung des events verlangt. Für mich eine Verpflichtung, im Keller tief nach unten zu langen. Dort unten liegen meine Hochgewächse. Fündig bin ich geworden in den Kartons des Weingutes Robert Weil. Preislich bestimmt hoch genug gewachsen. Diese Weine erlaube ich mir nicht als Essensbegleiter, sondern einfach so, ähm, gelegentlich, in einer ruhigen Stunde ohne Störungen. Da Frau L. nicht gerne süsse Weine trinkt, bin ich im Hause L. Alleinliebhaber dieser Provenienzen 🙂 Und weil mir der event gefällt, öffne ich gleich eine kleine Vertikale mit Spätlesen der Jahrgänge 2003, 2004 und 2005 aus der Einzellage Kiedricher Gräfenberg.
Diese Lage ergibt fast Jahr für Jahr elegante, fruchtbetonte Weine mit einer berückenden Balance von Säure, Extrakt und Süsse. Über die Geschichte der Lage kann man sich hier orientieren.
Meine Flaschen:
Alle 3 Weine klar, der 03-er etwas heller als die jüngeren Jahrgänge. In der Nase elegante Frische, Zitrusfrucht, Pfirsich, keine Botrytis, im Gaumen Aromenfülle, saftig. Trotz unterschiedlicher Säuregehalte sind alle 3 Weine perfekt balanciert, würzige Mineralität, langer Nachhall. Erstaunlich auf welch hohem Niveau sich die Weine dieser unterschiedlichen Jahre bewegen.
2005 Kiedrich Gräfenberg Spätlese
Viel Extrakt, enorm konzentriert, eher eine Auslese, dennoch leicht und elegant.
2004 Kiedrich Gräfenberg Spätlese
Gegenüber dem 03-er und 05-er eine frisch hervortretende Säure, aber dennoch perfekt im Gleichgewicht.
2003 Kiedrich Gräfenberg Spätlese
Totz des heissen Jahres genügend Säure, insgesamt etwas verhaltener als die folgenden beiden Jahren.