CH-3633 Amsoldingen: Von der Basilika zur Dorfkirche

Original: http://lamiacucina.blog/2009/01/04/ch-3633-amsoldingen-von-der-basilika-zur-dorfkirche/
Datum: 2009-01-04T04:00:31+01:00
Geändert: 2009-09-24T19:58:07+02:00
Kategorien: Besuch in..
Schlagworte: Keine
Stockhornkette und Niesen

Blick ins hintere Gürbetal. Am Horizont: Stockhornkette und Niesen

Amsoldingen wird den meisten Schweizern unbekannt sein. Mir auch, bis vor 4 Jahren. Eine kleine Ortschaft, im hintern Gürbetal gelegen, auch das kennen nur wenige. Bekannt noch allenfalls vom Gürbetaler Weisskohl, der hier gerne angebaut und zu gutem Sauerkraut verarbeitet wird. Amsoldingen, an einem kleinen See gelegen, den auch kaum jemand kennt. Auf halber Strecke des Jakobsweges zwischen Brünig und Romont. In der Altjahrwoche waren wir da, haben der wunderschönen Basilika einen Besuch abgestattet. Der See, 38 Hektar gross, unter Naturschutz, war fast zugefroren, das Dorf, hart an der Nordseite der Stockhornkette, schon ab 14 h in tiefem Schatten liegend.

Amsoldinger See, Schloss und Kirche

Amsoldinger See, Schloss und Kirche

Kirchturm, Apsis

Kirchturm, Apsis

Der Legende nach wurde die ottonische Basilika von Rudolf  II. von Burgund und Berta von Alamannien gestiftet, angeschlossen war ein weltliches Chorherrenstift. Die Basilika war im Mittelalter dem Heiligen Mauritius geweiht, und gehört zu einer um das Jahr 1000 am Thunersee entstandenen Kirchengruppe, deren Baustil lombardische Einflüsse zeigt. Sie wurde anstelle eines um 700 entstandenen Vorgängerbaus errichtet. Die Bauten des Chorherrenstifts wurden bei der Eroberung des Berner Oberlandes durch die Zähringer zerstört, später wieder aufgebaut, 1484 übersiedelten die Chorherren nach Bern. Der gotische Kirchturm stammt aus dem 14./15. Jhdt. 1501 wurde die Stiftskirche zur Dorfkirche. Das unmittebar neben der Kirche gelegene, ehemalige Probsteigebäude wurde von den Berner Chorherren 1496 mit ausgedehntem Grundbesitz inklusive See dem reichen Berner Bürger und Kaufherrn Barthlome May (ein schweizerischer Fugger) verkauft und später zum Schloss umgebaut. Es ist heute noch in Privatbesitz.

Die drei-schiffige Basilika

Die drei-schiffige Basilika

Die dank dem reformatorischen Bildersturm schlichte Pfeilerbasilika ohne Querschiff bietet mit ihren 3 Apsidien und dem hochgelegenen Chor eine eindrückliche Raumwirkung. In der Krypta finden sich eingemauerte  römische Bauteile und Überreste aus Aventicum und Allmendingen. Sie diente bis 1876  auch als Pfarrhauskeller und Käselager. Die Nordwand birgt eine schöne Malerei: die Darstellung des Heiligen Christophorus datiert um etwa 1300. Der mit einem Kranz von Tiermedaillons verzierte Taufstein stammt aus dem 14. Jahrhundert, die Holzdecke und der Abendmahlstisch datieren aus dem 17. Jhdt. Die Aussenfassade der Apsidien ist gegliedert durch lombardische Mauerblenden (Lisenen) und Rundbogenfriese.

Christophorus

Christophorus

Krypta

Krypta

Das Mittagessen haben wir in Münsingen, im Gasthaus zum Bären, dem ältesten Wirtshaus des Kantons (1371) eingenommen. Suure Mocke, mit Kartoffelstock. Die Sauce mit zuviel Saucenverdicker angerührt, das Rotkraut mit Äpfeln zu Brei verkocht. Dem Renommee des Hauses angepasster Service. Vergessen.

Blinde Katze auf der Kirchenbank

Blinde Katze auf der Kirchenbank


 

Erfreulicher die wohl nicht nur von Kirchenmäusen wohlgenährte, blinde und doch zutrauliche Katze auf der Holzbank vor der Kirche sowie die Entdeckung einer für mich neuen Käsesorte in Belp. Mehr darüber in einem separaten post.

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