CH-9107 Urnäsch: Appenzeller Streetparade

Original: http://lamiacucina.blog/2008/09/28/ch-9107-urnasch-appenzeller-streetparade/
Datum: 2008-09-28T04:00:29+02:00
Geändert: 2011-10-17T11:35:27+02:00
Kategorien: Besuch in..
Schlagworte: Keine
Leitkuh am Alpabzug

Leitkuh am Alpabzug

Streetparade der alpgesömmerten Kühe: Alpabfahrt in Urnäsch. In diesem Ort ist die Alpfahrt alljährlich ein grosses Ereignis, da der Grossteil des Alpgebiets des Kantons Appenzell Ausserrhoden nur über die Hauptstrasse des Dorfes erreichbar ist.

Gegen 11 Uhr, nach stundenlangem Marsch, tauchen die ersten Sennten (so heissen hier die einzelnen Sömmerungsbetriebe) auf: voran der Geissbub, der den ungehörnten, weissen Appenzeller Geissen den Weg weist, hinter den Geissen her ein Mädchen, das sie antreibt. Der Mann gibt die Richtung an, die Frauen arbeiten. Geiss ? So heissen bei uns die Ziegen.

Geissbube weist den Weg

Geissbube weist den Weg

Antreiberinnen

Antreiberinnen

Danach erscheint in einer von der Tradition festgelegten Zugsordnung der Senn in wunderschöner Tracht mit gelben Lederhosen, rotem Kittel, den Fahreimer, ein Melkeimer mit bemaltem Boden, an die Schulter gehängt. Begleitet von drei Ehrendamen, den Schellenkühen mit den ganz grossen Treicheln.

Senn mit 3 Schellenkühen

Senn mit 3 Schellenkühen

bemalter Fahreimer

bemalter Fahreimer

Anschliessend marschieren 4 Bauern, 3 in Sonntagstracht in braunen Hosen, der vierte, der Zusenn, in Sennentracht in gelben Hosen. Dabei wird gezäuerlet (Appenzeller Jodel) wenn nicht gerade übermütige Kühe in die Schranken gewiesen werden müssen.

Zusenn, 3 Bauern, Schellenkuh

Zusenn, 3 Bauern, Schellenkuh

Endlich die Parade des wilden Heers von Kuhschönheiten, sauber herausgeputzt, viel nackte Haut, Rücken an Rücken. Jede in ihrer Art schöner als die aufgedonnerten, mit und ohne Abitur dümmlichen Damen an der gestrigen Wahl der Miss Schweiz.

auch ein schöner Rücken...

auch ein schöner Rücken...

Streetparade danach

Streetparade danach

Hinter der Viehhabe geht der Bauer in der Tracht, begleitet von seinem unermüdlichen Ordnungshüter und Wadenbeisser, sprich Appenzeller Sennenhund. Nur selten wird noch ein Stier mitgeführt.

Bauer, Hund, lahmende Kuh

Bauer, Hund, lahmende Kuh

der Kühe ihr Mann

der Kühe ihr Mann

Den Schluss des Zuges bildet der Lediwagen, ein Pferdewagen mit Alpgerätschaften. Weissküferei ist aber nur noch Folklore, kommt aus hygienischen Gründen nicht mehr zum Einsatz. Vor jeder Wirtschaft am Wege, und deren hat es von der Schwägalp bis Urnäsch viele, werden dem Zug wärmende Getränke offeriert.

Weissküferei auf dem Wagen

Weissküferei auf dem Wagen

Herzwärmer für das Begleitpersonal

Herzwärmer für das Begleitpersonal

Ich war heuer zum ersten Mal an diesem Anlass, alleine, Frau L. war nicht nach Ausreise zumute. Wer nächstes Jahr dabeisein möchte, dem empfehle ich, sich wie die Einheimischen in einer Wirtschaft an der Strecke niederzulassen. Sobald der Dschungel-Groove der Treicheln ertönt, stürzen sich Kundschaft und das Servierpersonal nach draussen. Man verpasst auf diese Weise nichts und muss sich bei kühler Witterung keine Füsse in den Bauch stehen. Ich war in Frischknechts Anker (13 GM) und habe gute und preiswerte Appenzeller Käsespätzli gegessen. Empfehlenswert ein Besuch im Appenzeller Brauchtumsmuseum das eben eine Ausstellung zum Thema Alpfahrten zeigt. Mitbringsel: ausgezeichnete Appenzeller Pantli und Kräuterspeck aus der Metzgerei Löwen von Jean Bänziger. Hier gibts auch Appezöller Südwööscht , zudem auf Bestellung Kalbskopf, -hirn, geräucherte Euter und Chrös (Dünndarm vom Kalb). Gut zu wissen, drum schreib ichs auf. Und bis der nächste Zug abfährt, kann man sich am Bauernmarkt die Zeit oder am Schweinchenrennen den Wetteinsatz vertun.

An Beizen kein Mangel

An Beizen kein Mangel

Xenia vor Säntisblitz

Xenia vor Säntisblitz

Morgen gibts bei mir selbstgebackenen Appezöller Bereschlorziflade.

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