Hääfelimärt und Magenmorsellen

Original: http://lamiacucina.blog/2007/11/11/haafelimart-und-magenmorsellen/
Datum: 2007-11-11T04:00:28+01:00
Geändert: 2007-11-09T16:52:11+01:00
Kategorien: Gourmandisen
Schlagworte: Keine

Karussell Petersplatz
Die Basler Herbstmesse hat eine sehr lange Jahrmarkts-Tradition. Am Reichstag in Regensburg 1471 gewährte Friedrich III, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation einer Basler Abordnung das Privileg, dass die Stadt je eine Messe im Frühjahr und im Herbst abhalten dürfe. Verbrieft auf ewige Zeiten. So geschah es denn bis heute. Sie beginnt jeweils 14 Tage vor dem Sankt Martinstag. Auch wenn der lärmige Jahrmarkstrummel längst auch hier Einzug gehalten hat, so gibt es doch noch eine Nische, die ihren Liebreiz erhalten hat. Der Markt auf dem Petersplatz. Gemüseraffeln, Putzmittel, Buchantiquariate, gebrannte Mandeln, Würste, Lebkuchen, Weihnachtsmitbringsel, warme Wollwaren, Gebasteltes, Magenmorsellen, Springerliformen und der Hääfelimärt (Chachelimärt). Hier mein Messebericht.

Frittenbuden, Wurststände, Frühlingsrollen und dergleichen lassen wir mal beiseite. Kulinarisch interessieren mich eher die Erinnerungen an meine Kindheit, als da sind:

Magenmorsellen Magenbrotreklame auf Lebkuchen
Rosenkiechli Türkischer Honig

Magenmorsellen. Seit über 100 Jahren werden sie hier von der gleichen Familie angeboten. Eine Art Fondant-Zuckermasse, aromatisiert von Bergamotte bis Zimt, in allen Farben des Spektrums, in Formen gegossen, dann in viereckige Plättchen geschnitten. Absolut wirkungslos bei Magenbeschwerden. In früheren Jahrhunderten wurden die Magenmorsellen dazu benutzt, unangenehm schmeckende Kräuterpulver in eine gut essbare Darreichungsform zu bringen. Echter werden sie noch in einer Apotheke in Lübeck hergestellt: aus Zucker, 15 Gewürzen und Kakao.

Magenbrot. Daran habe ich in früher Jugend all mein karges Messegeld verwendet. Leider findet man heute kaum mehr gutes Magenbrot. Zu trocken, viel zu süss, billiger Schokoguss. Irgendwann werde ich es selber versuchen. Anleitung gibt es ja hier (deutsche Version) und hier (Schweizer Version).

Rosenküchlein. Ein Teig aus Mehl, Eiern, Milch, Zucker und Salz wird mit Hilfe eines spezielles Modelleisens in Fritieröl ausgebacken, um die gewünschte Rosenform zu erhalten. Anschliessend wird mit Puderzucker überschneit. Ziemlich fett, da erleichtern weder Magenbrot noch Magenmorsellen.

Türkenhonig – Eine früher regenbogenfarbig gefärbte Nougatmasse, die mit einem Spachtel von einem Block heruntergeschabt wird. Die süsse Version eines Kebabs. Klebrig. Kaum mehr begehrt. Aber es gibt ihn noch.

Anis-Model (Springerle-formen) Flohzirkus

Und dann zum Hääfelimärt: Ein kurzer Strassenzug, in welchem ausschliesslich Geschirr, Keramik angeboten wird. Früher konnte man zu jedem Hafen, der des Deckels verlustig ging, ein mehr oder minder passendes Ersatzstück finden. Heute wird eher Auslaufware angeboten. Ein paar Impressionen:

vom Himmel hoch… China-Bone oder Steingut ?
getupft, zeitloser Tachismus. Kaffee-Kunst. Mehr Kaffee als Kunst.
Tomatensaison vorbei. Geschirr auch. Manufaktur Meissen Volksedition

Morgen Montag, 12. November ist Schluss am Petersplatz für dieses Jahr. Der Hääfelimärt schliesst einen Tag später.