Das Adelboden von Franz Wiget stand schon lange auf meiner Besuchsliste. Steht doch ein erfahrener Koch mit Auszeichnungen (17 GM, 1 Michelin) am Herd. Sehr freundlicher Empfang durch Personal und der Frau des Hauses. Auf unsere Platzwünsche wird mit professioneller Selbstverständlichkeit eingegangen. Wir haben das Tagesmenu mit kleinen Änderungen bestellt. Zum Aperitiv und als Amuse-geules werden viele winzige Kleinigkeiten aufgetragen, u.a. Bretzelchen, süss-salzig geröstete Kürbiskerne, ein Schraubdeckelgläschen mit 10 ml hausgemachtem Ziegenmilchjoghurt, eine winzige Minibulette auf winzigem Auberginen-gemüse, ein Ministück Edel-Schwartenmagen (mit Gänseleber), ein Fetzchen Kalbfleisch mit Thonsauce, ein haselnussgrosses Stück weisses Tomatensorbet auf einem gleichgrossen Tomatenriemchen. Alles in puppenstubenhaften Portionen und winzigen Geschirrchen. An den Nebentischen Aaah… und Oooh… Bei uns eher Ratlosigkeit und Konsternation.
Einen einzigen, dafür herzhafteren Gruss aus der Küche (zB den Schwartenmagen, der wirklich herausstach) hätten wir vorgezogen. Genuss verlangt nach Bestätigung und Wiederholung und das ist bei diesen Portiönchen nicht möglich. An der servierten Zusammenstellung konnte ich ohnehin keinen tieferen kulinarischen Sinn entdecken.
Vorspeise: Vier Variationen zum Thema Gänseleber. Terrine, Praline auf einer ungesüssten Crème brulée, dann gebraten sowie roh mariniert. Alles sehr gut zubereitet. Wiederum sehr kleine Portionen, wobei ich hier aufgrund des Produktpreises Verständnis aufbringe. Die dazu gereichten Briochescheiben viel zu buttrig-fett geraten.
Hauptgang: ein Stück Kalbsrücken mit Gremolata und Rosmarinjus. Gummelistunggis. Das Fleisch perfekt gegart, saftig, zart, der Jus gut. Der Gummelistunggis ist die grosse Spezialität des Hauses, Kartoffelpüree im Glas serviert, mit Milchschaum getoppt. Das Püree wird mehrfach durch ein Sieb getrieben. Sehr fein und cremig, ein bisschen klebrig war es aber schon, wir haben es lieber leicht.
Käse: ein Riemen Schweizer Brie, serviert mit Honig und einem Stücklein Tarte aus eingekochten Birnen. Eine nette Kombination.
Dessert: Blätterteig-Millefeuille mit Aprikosen und Mandeleis. Zum Kaffee ein Teller Friandises.
Fazit: Franz Wiget kanns schon. Schade um das Puppenstuben-Theater. War das nicht vor Jahren mal Mode ? Oder sind Frau und Herr L. ausser Mode ? Leicht möglich.
Immerhin, das von uns anschliessend in der Confiserie Zumbach in Unterägeri verspiesene, köstliche Zuger-Kirsch-törtchen, eingelegt in eine Plasticschale und deshalb nicht ausgetrocknet, hat uns mit den Urkantonen wieder versöhnt.
(Das Bild “Restaurant Adelboden” stammt von Steinen-online)